Warum?-Weißt du was du mir antust?

Ich sitze alleine auf dem kalten Stein. Vor mir liegt ein Blatt Papier. Schreibe es voll mit Gedanken. Gedanken, die sich doch sowieso nur um eines drehen. Um unsere Liebe. Oder das, was eigentlich da sein sollte, aber nicht ist, weil du nicht kannst.

Es wäre nicht richtig. Nicht nur du weißt es. Nein auch ich weiß, dass es falsch wäre. Es wäre einem Tanz auf einem aktiven Vulkan gleichzusetzen. Oder einem spielerischen Kampf mit scharfen Schwertern. Einfach nicht richtig und äußerst gefährlich.

„Wieso sollte es nicht sein? Waren wir nicht füreinander geschaffen? Wieso sind wir nicht zusammen, sitzen nicht gemeinsam hier?“

Ein glückliches Paar läuft an mir vorbei. Händchen haltend. Sie küssen sich. Wie neidisch bin ich auf die beiden. Ich zerreiße das Blatt, weil es mich schmerzt, die Gedanken noch einmal durchzulesen. Eigentlich sollten wir genauso miteinander umgehen. Genauso wie diese beiden Menschen.

Warum?

Warum?

Warum, hast du mir das angetan? Okay, eigentlich hast du ja gar nichts getan. Aber genau das ist mein Problem. Warum hast du nie etwas gesagt?

Irgendetwas nur.

Ich schaue mich wieder um und sehe schon wieder ein Pärchen. Wieder wandern meine Gedanken. Wir könnten auch glücklich sein. Wie all die anderen auch. Aber du hast uns ja keine Chance gegeben. Ja es wäre falsch gewesen, aber warum soll man immer alles richtig machen? Auf das hören, was andere uns sagen?

Gibt es dazu überhaupt einen Grund. Dafür, dass uns andere sagen können, was wir tun sollen und dürfen? Ich kann es nicht nachvollziehen. Wirklich nicht.

Also warum?

Wir beide wissen ganz genau, dass wir perfekt füreinander sind. Egal, was andere sagen. Wir sind beide harmoniebedürftig, sensibel und suchen nach etwas ganz besonderem. Nach dem einen Menschen, den man im Leben braucht, um glücklich zu sein. Wir sind beide sehr tiefgründig. Fragen uns, ob es so etwas wie Schicksal gibt. Oder die Liebe auf den ersten Blick. Gibt es diese viel beschriebene Sache wirklich? Eine Frage, die uns beide total beschäftigt.

Bei mir war es auf jeden Fall Liebe auf den ersten Blick. Wie war das bei dir? Fühlst du überhaupt? Oder ist da gar nichts? Aber warum bist du dann so? Warum gehst du dann so liebevoll und zärtlich mit mir um? Und warum wirst du dann auch so schnell eifersüchtig, wenn ich mit anderen Männern mal längere Zeit verschwunden bin? Selbst wenn wir doch nichts anderes tun als reden und du das auch weißt.

Die Tränen steigen auf. Warum soll ich jetzt schon wieder weinen. Nur wegen dir? Und sonst niemandem?

Ich kann so einfach nicht mehr weiter. Hast du jemals daran gedacht einmal mit mir zu reden? Oder glaubst du etwa auch daran, dass die Zeit schon alles richten wird? Kann schon sein, aber wie lange soll ich denn warten? Und welche Garantie hast du, dass es tatsächlich so ist? Vielleicht wird es ja auch nur schlimmer. Weißt du es vorher?

Nein.

Woher auch?

Die Zeit wird es schon richten. Sagst du. Weißt du, was ich dabei empfinde? Enttäuschung. Hass. So vieles. Ich kann es gar nicht alles identifizieren. Es ist so vieles. Auch die Wut spielt eine große Rolle. Warum tust du das? Kommst du dir dann cool dabei vor?

Wir beide wären ein ideales Paar. Wir wissen es beide. Aber du kannst nicht. Es ist ja nicht nur, dass du es nicht wolltest, weil du weißt, dass es falsch wäre. Das wir ein Paar sind. Oder sein würden. Das war nicht dein einziges Problem. Das hast du anklingen lassen mit deinen Äußerungen. Ich habe es gespürt. Bemerkt und konnte es besser als alles andere deuten. Aber da ist ja auch noch die Tatsache, dass du nicht frei bist. Nicht für mich. Oder für irgendjemand anderen.

Nicht frei. In einer Beziehung. Und so wie es aussieht eigentlich auch glücklich. Du willst sie ja auf jeden Fall nicht verlieren. Es wäre wohl das schlimmste, was dir passieren könnte. Habe ich Recht? Hast du es von Anfang an gewusst, dass ich für dich fühle? Vielleicht auch, dass es mehr ist als bloße Sympathie? Viel mehr als Freundschaft?

Sag, hast du es gewusst? Nur mit meinen Gefühlen für dich gespielt? Wie so viele schon vor dir? Hast du mir das wirklich bewusst angetan?

Warum?

Warum?

Warum hat es nicht sein sollen?

Wir sind doch füreinander geschaffen. Wäre alles anders, wenn sie nicht wäre? Ich glaube nicht, dass wir es jemals erfahren werden. Es ist nun einmal, wie es ist. Nicht anders. Sie existiert. Eure Beziehung ist echt. Nicht eingebildet. Alles ist so aussichtslos für mich. Fühlst du es auch? Die Verzweiflung? Die Enttäuschung, dass alles Hoffen umsonst war. Weil es doch eigentlich sowieso nichts bedeutet. Nur Gefühle sind, die der andere nicht erwidern kann. Aus welchen Gründen auch immer. Es ist ein komplexes Geflecht aus Problemen, die wir haben. Immerhin etwas, das wie teilen und es auch ausnahmsweise einmal zugeben können. Ist es nicht irre komisch, dass das einzige, was wir ganz offiziell teilen dürfen unsere Probleme sind, die ja auch wirklich existieren. Ganz ohne Einbildung. Wahrscheinlich ist genau das die Ironie des Schicksals, an das wir wohl beide glauben.

Die Ironie des Schicksals. Klingt wirklich irre komisch, was da mit uns abgeht. Fingest du nicht auch? Denke doch nur daran, was hätte aus uns werden können. Ein glückliches Paar. Vielleicht sogar Das neue Traumpaar.

Okay, vielleicht wären wir aber auch wie Romeo und Julia verurteilt worden. Von all den ach so korrekten Menschen, die sich immer an alle Regeln und Gesetze halten. Nie einen Fehler begehen. Vielleicht. Wie es gewesen wäre, werden wir nicht erfahren. Du hast sie. Und sie hat dich. Genau das, was ich so sehr begehre.

Warum?

Ich weine nun doch. Zu sehr nimmt mich die ganze Sache mit. Liebe soll doch die schönste Sache auf der Erde sein…

Vielleicht, wenn man glücklich verliebt ist. Nicht wie ich leidet wie ein Schlosshund. Eigentlich könnte ich den ganzen Tag nichts anderes tun als einfach hier zu sitzen und zu weinen. Um eine Beziehung, die zwar nie wirklich existiert hat, aber so schön hätte werden können. Wir wissen es beide. Auch du kannst es nicht abstreiten. Liebe kann zwar wundervoll sein, sie kann aber auch töten. Wenn nicht uns selbst, dann unser Innerstes. Unser Gefühl, das wir aufbringen müssen, um wirklich zu lieben.

Warum?

Plötzlich tauchst du auf. Völlig unverhofft. Irgendwie freue ich mich. Irgendwie aber auch nicht. Ich wende mich von dir ab. Du sollst die Tränen nicht sehen, die ich schon wieder wegen dir vergieße. „Ich muss mit dir reden. Jetzt sofort.“, sagst du mir ins Gesicht. „Worüber sollten wir denn reden?“, frage ich. Statt mir eine Antwort auf die Frage zu geben, willst du wissen, warum ich geweint habe. Ich zucke die Schultern. Du verstehst trotzdem. Wir verstehen uns eben ohne Worte, das haben wir schon so oft gemerkt. Der andere weiß sofort, worauf man hinaus will. Es ist wie eine Seelenverwandtschaft. Zwischen uns. „Du hast wegen mir geweint. Warum? Bin ich es wirklich wert?“ Diese Frage habe ich mir auch schon oft gestellt. Wahrscheinlich viel zu oft. Und oft genug komme ich zu dem Schluss, dass du es nicht wert bist. Du bist doch nur ein Mann. Wegen Männern weint man nicht. Noch einmal will ich wissen, worüber wir reden müssen. „Über uns.“, sagst du knapp. Mehr auch nicht. Nur diese beiden Wörter. Aber ich verstehe. Es wird also ein erneutes Kapitel des ewig gleichen, aber jedes Mal schockierende, aber doch irgendwo notwendige Gespräch. Vielleicht bringt es irgendwann einmal ja etwas. „Was ist mit dir?“, fragst du.

Immer wieder geht mir diese Frage durch den Kopf. Du hast mich so sehr verletzt. Meine Seele beschädigt. Im Gespräch mit dir konnte ich meine Enttäuschung und die Wut nicht verbergen. Ich habe dir alles erzählt. Alles, was ich fühle. Du sagtest, dass du eigentlich auch für mich fühlst. Eigentlich. Trotzdem sitzen wir hier nicht zusammen, obwohl wir uns doch gegenüber sitzen. Es ist nur nicht richtig und du weißt es. „Außerdem ist da ja auch noch meine Freundin…“

„Fang jetzt nicht wieder mit dem Thema an, dass du sie liebst und sie auf gar keinen Fall verlieren willst. Das hast du schon so oft gesagt. Und, was tust du? Du suchst trotzdem meine Nähe!“

Betretenes Schweigen deinerseits. Das war wohl etwas, das du nicht hören willst. Willst du es denn ignorieren? So tun, als wüsste sie von allem. Von allem, was du mit mir besprichst. Von allem, wie du dich mir gegenüber verhältst? Jetzt sitzen wir wieder einmal zusammen. Aber eigentlich hängt doch jeder seinen Gedanken nach. Ich sehne mich nach körperlicher Nähe zu dir. Du weißt das auch ganz genau. So oft schon habe ich dir davon erzählt. Und wir beide wissen, dass es dir doch im Grunde genauso geht. Auch du wünschst dir mehr Nähe zu mir. Obwohl sie existiert. Ganz Plötzlich siehst du mich an.

„Darf ich?“, fragst du und legst den Arm um meine Schultern.

Keine Antwort von mir. Klar darfst du, aber ist es auch das Richtige, was wir gerade tun? Du hast eine Freundin, die wohl von alledem nichts weiß. Wahrscheinlich nicht einmal davon, dass du hier bist, um mit mir über uns zu reden. Was hast du ihr erzählt? Dass du mit der Band probst? Mit deinen Jungs unterwegs bist? Vielleicht.

Die Nähe zu dir fühlt sich zwar sehr gut an, aber falsch. „Was tun wir hier eigentlich?“, frage ich. Du siehst mir in die Augen. Sagst nichts. Nur wieder dieses betretene Schweigen, das mir so weh tut. Noch mehr als es Worte jemals könnten. Worte können erklärt werden. Das Schweigen nicht. Es steht nur im Raum. Zwischen uns. Einfach so. Ohne jegliche Erklärung. Ohne jeden Sinn. Du könntest auch einfach sagen, was dich bedrückt oder beschäftigt. Aber stattdessen gibst du nur dieses seltsame Schweigen von dir. Es macht alles kaputt. Die ganze Stimmung, um dieses Gespräch so schnell wie möglich hinter uns zu bringen. Oder das Kapitel, das zurzeit geschrieben wird. Im dicken Buch unserer Beziehung. Auch, wenn die Seiten eigentlich leer sind. Das ganze Buch niemals zu Ende geschrieben wird. Geschweige denn jemals mit dem Schreiben begonnen wird. Es ist eine unendliche Geschichte zweier Menschen, die von keinem Autor dieser Welt geschrieben werden will. Sie wäre wohl zweifellos viel zu schockierend und befremdend, um damit auch nur einen Cent zu verdienen. Also bleibt unser Buch leer.

Das sollte unser letztes Gespräch werden. Bist du dir wirklich sicher, dass alles gesagt ist? Weißt du nicht, was du mir antust?

Du zerstörst mich ganz langsam von innen heraus. Und merkst es nicht einmal. Fühlt es sich für dich gut an? Was du tust? Ganz langsam verrecke ich. Verblute innerlich. Kann das Loch, das du in meinem Herzen zurückgelassen hast nicht alleine wieder stopfen. Kein schöner Tod, wenn du mich fragst. Sehr schmerzhaft und tückisch. Ansteckend ist er nicht, aber er kann dich trotzdem auch fertig machen. Oder deine Freundin.

Der Tod ist langsam aber stetig. Nicht schön. Allerdings auch nicht von mir ausgesucht, ich wurde lediglich dazu verurteilt.

Von dir.

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