Aus dem Leben eines Kristallengels

1. Am Fluss

Sie ist mit einer Freundin am Fluss. Es ist ein schöner Freitagabend. Sommer. Schon früh am Morgen in der Schule hatten sie es ausgemacht, dass sie den Abend miteinander verbringen würden. – Wie jedes Wochenende. Auch am Samstag würden sie sich sehen, denn sie waren beste Freundinnen.
Sie saßen mit Bier, Chips, Zeitschriften und einem kleinen Radio auf der Picknickdecke, die ihre Freundin immer mitbrachte. Sie redeten über Jungs, vor allem aber über zwei bestimmte. Beide waren sie in Mitglieder einer Band verknallt, beide hatten keinerlei Chancen bei den jungen Männern. Aber eingestehen wollten sie es sich nicht.
Es begann zu Regnen und die Mädchen suchten Schutz unter einer Brücke, die nicht weit entfernt über den Fluss führte. Dort waren sie nicht alleine. Eine Gruppe von Jungs und wenigen Mädchen war auch dort. Zuerst erkannten sie diese nicht, doch dann bemerkte die Freundin, dass der eine der Typ aus dieser anderen Band wäre. – Und der Bruder einer Klassenkameradin. Die Gruppe der anderen hatten die beiden dann auch bemerkt. Kamen zu ihnen herüber. Der Typ aus der Band sprach das Mädel an und fragte nach Sex. Sie war angeekelt. Sagte nichts. Ein anderer Griff sich ihren Rucksack und drohte, ihn in den Fluss zu werfen. Das Mädchen wurde wütend. „Wenn du den da rein wirfst, dann Gnade dir Gott.“ Sie hatte zwar gar keine Ahnung, was sie dann machen würde, aber sie war in Panik, denn auch ihr Handy war im Rucksack. Ihre Freundin schaffte es, den Rucksack dem Kerl wegzunehmen und als das Mädchen sich wieder umdrehte, stand da der Typ aus der Band. Er hatte ein Klappmesser gezogen. Kam damit auf sie zu. „Du nimmst dir eindeutig zu viel raus…“, murmelte er und fing dann wieder von dem einen Missverständnis mit dem Drummer einer befreundeten Band an. Er kam noch näher. Das Messer kam ihrer Kehle bedrohlich nahe, ehe sie es dann auf ihrer Haut spürte. „Halt dich einfach raus.“ Sie spürte, dass ihre Beine bedrohlich nachgaben. Ihr wurde schwindlig. Angst. Unfassbare Angst. Würde er wirklich so weit gehen? Was sollte sie tun? Gedanken über Gedanken in ihrem Kopf und sie fand keinen Ausweg, wie sie da wieder herauskommen sollte.
Er ließ von ihr ab. „Davon kein Wort zu niemandem.“ Er wirkte bedrohlich. Das Mädchen nahm ihre Sachen und ging, obwohl es noch immer schüttete, wollte nur weg. Die Freundin holte sie erst nach einiger Zeit ein.

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2. In der Disco

Sie wollten feiern. Einfach feiern. Dass alles gut lief. Das lange Wochenende so richtig auskosten.
Natürlich tranken sie auch einiges. Aber eigentlich nicht genug, um die Kontrolle zu verlieren.
Da war dieser Mann, er hat sie mitgenommen, zu seinem Wagen. Hat nicht auf sie gehört. Er meinte, er wolle reden. Ihr erklang das logisch. Sie kam mit, er schien nett zu sein. Am Wagen fing er an sie zu befummeln, sie weiß schon gar nicht mehr, wo seine Hände überall waren. Er war unter ihrem Rock, hatte sie an den Wagen gepresst. Ihr war so schwindlig, so schlecht. Sie wollte das aber nicht.
„Lass mich“ Er reagierte nicht. „Ich will nicht.“ Wieder reagierte er nicht. Ihr wurde noch schwindliger. Er hörte nicht auf.
„Lass sie in Ruhe.“, es war ein unbekannter Typ. Er schaffte es irgendwie, dass der andere von ihr abließ. Brachte sie dann wieder in Richtung Diskothekeneingang. Dort trafen sie auf ihre Freundinnen, eine war ebenfalls ziemlich weggetreten.
Sie wurden von den Türstehern in einen Raum gebracht, dort sollten sie sich beruhigen. So wie sie aussahen, würden sie unter KO-Tropfen Einfluss stehen.
Das Mädchen bekam später erzählt, dass der andere Typ, der sie weggeholt hatte, meinte, dass der andere drauf und dran war sie zu vergewaltigen, das hatte er einer ihrer Freundinnen erzählt. Sie kann sich bis heute nicht richtig an die Geschehnisse erinnern. Nicht einmal an das Gesichts ihres Retters erinnert sie sich. Aber an die Hände. Und dass er nicht aufhören wollte.

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3. Im Auto

Sie ist betrunken. Sie ist enttäuscht. Ihr Freund bietet ihr an, noch ein bisschen mit ihr zurück auf das Konzert zu gehen, damit sie reden könnten und sie wieder runterkäme. Sie hatte ihm, gleich nachdem sie ihn umarmt hatte, zugetextet, mit dem, was ihr der andere angetan hatte. Nicht wissentlich, sie versuchte in seiner Gegenwart immer den Vamp zu spielen, der ihn zwar gerne im Bett hätte, aber nicht mehr. Bislang war sie ziemlich erfolgreich gewesen, auch damit, sich selbst dieses vorzuspielen.
Doch an diesem Abend ging es nicht. Da war diese andere Frau, mit ihr hatte er lange getanzt und gelacht. Und das alles vor ihren Augen. Sie bekam zwar auch ihren Tanz, aber das war alles zu viel für sie. Der Abend hatte ihr gezeigt, dass sie immer noch an ihm hing, auch nach all der Zeit.
Mit ihrem Freund ging sie zurück auf das Gelände. Sie tranken noch etwas, redeten und befanden die Band, die gerade spielte für mies. Deswegen wollten sie dann doch relativ schnell wieder gehen. Er würde sie nach Hause fahren, hatte er gesagt. Auf dem Weg zum Auto begegneten sie noch mal dem Mann, der ihr so weh getan hatte. Er wollte sie dazu überreden mit ihm zu kommen, mit allen Mitteln. Aber sie lehnte ab. Stattdessen ging sie dann mit ihrem Freund zu seinem Auto. Sie redeten noch ein bisschen. Dann küsste er sie plötzlich.
Sie war so perplex, dass sie nicht rechtzeitig reagieren konnte. Wollte weg. Hörte noch, wie er irgendetwas von Sex redete. Sie schob ihn weg, wollte nur noch auf und davon. Er war ihr Freund, nutzte sie aus und hatte diesen komischen Blick. Er machte ihr Angst. Sie musste einfach nur noch weg.

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Wieso können mich diese Erinnerungen nicht einfach in Ruhe lassen? Warum ist das immer noch in meinem Kopf. So real.

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