Wofür bin ich noch hier?

-Achja richtig, um zu kochen, während der Rest der Familie schon am Essen ist. Es läuft doch immer gleich ab.  Die Drecksarbeit mache ich. Wie gut, dass ich dann wenigstens weniger essen kann, wenn ich schon beim Kochen die ganzen Dämpfe rieche.

Heute gab es Waffeln. Habe auch nur zwei gegessen, dazu Suppe. Hat ja kaum kcal. Wie schön. Endlich mal nicht gefressen bis zum Umfallen.

Natürlich gibt es wieder Streit. Mein verfressener Vater. Kaum sitze ich am Tisch hält er mir seinen Teller unter die Nase. Will gleich noch eine Waffel. Nichtmal trinken durfte ich vorher. Er wird laut. Sagt ich bin unnütz.

Soll ihm sofort eine Waffel geben, sonst passiert was. Ich werfe ihm dann fast eine Waffel auf den Teller. Puderzucker verteilt sich auf dem Tisch. Auf seinem T-Shirt. Überall. Mutter wird laut.

Was ich schon wieder gemacht hätte. Warum ich so schlecht gelaunt bin. Was schon wieder los wär. Und, ob ich sie noch alle hätte.

„Solange du deine Beine unter meinen Tisch stellst, verbitte ich mir das!“ – er schreit. Meine Ohren klingeln, sitze ich doch beinahe neben ihm.

Ich will das alles nicht mehr. War ich schon immer so?

Habe ich schon immer Streit provoziert? Auch dann, wenn ich eigentlich nicht mehr ertragen kann? Eigentlich geht es mir mies genug. Ich weiß nicht, wie meine Zukunft aussehen wird und dann breche ich einen Streit vom Zaun?

Sie haben schon recht. Ich bin wirklich unnütz. Und was nicht alles.

Ich möchte mir weh tun. Mich fühlen. Aber ich möchte es auch sein lassen. – Wieder die alte sein. So wie damals. Unbeschwert. Geliebt. Nicht allein.

Aber ich bin allein. Ungeliebt. Voller Schmerz. Ungeborgen.

Was bleibt sind meine Klingen. Sämtliche Ausführungen. Von kleinen Rasierklingen bis zu schweren Teppichmessern. – Alles dabei. Hauptsache es schneidet.

Eine Freundin (?) hat jetzt ihre Rasierklingen einer Exlehrerin und mittlerweile Ersatzmutter gegeben. Sie hat es geschafft. Will wirklich aufhören, auch wenn es ein komisches Gefühl ist, sagte sie. Sie weiß, dass sie es schaffen wird, sagt sie. Und die Lehrerin wird ihr dabei helfen. Sie wird es schaffen. Denn A. ist stark.

Ich nicht.

Brauche ich doch niemanden. Niemanden.

N.I.E.M.A.N.D.E.N

(außer meinen Klingen.)

Menschen verletzen. Klingen auch. Aber anders.

Mit den Wunden und Narben. Dem Schmerz und dem Blut, welches durch die Klinge hervorgerufen wird.- Damit kann ich viel besser umgehen.

Warum psychische Qual? Ich brauche nur meine Klingen. Sie werden mich nie verlassen. Sie sind da. Auch, wenn ich sie hasse. Sie bleiben. Helfen mir mit dem Leben klar zu kommen.

Ihr seid meine einzigen wahren Freunde.

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4 Antworten zu Wofür bin ich noch hier?

  1. gedankenfest schreibt:

    Es sind Waffen, die weh tun, aber Worte, die verletzen!

    Mein absolutes Lieblingszitat. Und so wahr. Die Klinge ist deine Waffe. Das, was weh tut, ist das, was du dir anhören durftest.

    Warum du immer Streit provozierst? Hm. Bist du vielleicht einfach nur auf der Suche nach Liebe? Willst einfach nur geliebt werden?
    Ich hatte auch mal eine solche Phase. Wollte nur geliebt werden. Habe mich so ungeliebt gefühlt. Ich habe alles und jeden fertig gemacht, Streit provoziert, meiner Familie die übelsten Beschimpfungen an den Kopf geworfen. Ich bekam dadurch zwar keine Liebe, aber Aufmerksamkeit. Sie registrierten mich zumindest irgendwie.

    • kristallengel schreibt:

      Das Zitat gefällt mir echt verdammt gut.

      Kann sein. Zumindest fange ich auch an grundlos Freunde und Internetbekanntschaften anzuzicken, in der Hoffnung es gibt Streit. Wobei ich insgeheim eigentlich mehr hoffe, sie wenden sich von mir ab.

  2. blackrose schreibt:

    Hallo du,

    ich möchte jetzt nicht so klingen als ob ich wüsste was am besten ist oder so….aber ich selber habe mich auch geschnitten und habe immer noch die narben auf meinem ganzen Körper verteilt. Damals habe ich mich genauso gefühlt wie du jetzt. Einsam, unverstanden, verlassen, ängstlich und von allen gehasst (vor allem Selbsthass) – ja ich wollte einfach nicht mehr existieren und dachte das alle glücklicher wären wenn ich nicht mehr bin aber ich habe es durch Hilfe von außen geschafft jedenfalls nur noch an das scheiden zu denken und zu begreifen, dass meine Mutter mich geboren hat und mich liebt auch wenn’s mir nicht immer bei allen Menschen in meinem Umfeld so scheint aber naja.

    Jedenfalls was ich damit sagen möchte ist, dass du nicht allein bist und wenn du mit deiner Familie nicht zurecht kommst könntest du doch auch einfach ausziehen oder sowas in der art. Weiterhin könntest du dir auch einfach jemanden deines Vertrauens suchen mit dem du reden kannst und einfach mal mit jemanden nur über dich reden kannst.

    ich wünsche dir alles alles gute

    PS.: ich mag deinen Blog sehr und es macht mir Freude ihn zu lesen^^

    • kristallengel schreibt:

      Danke dir. (:
      Mir fällt es leider generell schwer mit anderen zu reden. Egal, ob es nun ein „Profi“, Freunde, ehemalige Lehrer oder sonstwer ist. Ich öffne mich nur schwer und stelle ander über mich.- Hauptsache denen geht es gut.

      Außerdem will ich glaube ich gar nicht, dass es mir besser geht. Ich habe es ja verdient.

      Ausziehen gestaltet sich leider schwieriger als gedacht. Da gibt es einige Hürden.

      Ehm, danke.. dann ist das Ding hier ja zumindest für eine Sache gut

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